KBA spricht von „Unzulässigkeiten“ – und kündigt Rückrufe an

Veröffentlicht am 
15.2.2022
Wohnmobil

Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) äußert sich im Fiat Ducato Abgasskandal

(Zuletzt aktualisiert: Mai 2022)

Der Fiat Ducato Abgasskandal / Wohnmobil Dieselskandal bekommt überraschend neue Impulse aus dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). In einem Schreiben von Mai 2021 nahm die Behörde gegenüber der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Stellung zum Vorwurf der illegalen Abgasmanipulation in Wohnmobilen mit Fiat Ducato Motor - und kündigte sogar Rückrufe an. Hier informieren wir Sie zu den Details des Schriftverkehrs und erläutern, was es mit den Rückrufen auf sich hat.

  1. Deutsche Umwelthilfe stellt massiv erhöhte Abgaswerte fest
  2. KBA äußert sich erstmals - und sorgt für Paukenschlag
  3. Hintergrund zu Rückrufen - negative Folgen fürs Wohnmobil?
  4. Wann und in welchem Umfang werden die Rückrufe und Nachrüstungen erfolgen?
  5. Drohen Stilllegungen und Fahrverbote?
  6. Was das für betroffene Verbraucher bedeutet

Deutsche Umwelthilfe stellt massiv erhöhte Abgaswerte fest

Nach langem Schweigen hat sich das KBA im Mai 2021 erstmals schriftlich zum Abgasskandal bei Fiat Ducato Wohnmobilen geäußert. Dem vorausgegangen waren Schreiben der DUH vom Januar und April 2021, worin die DUH das KBA von eigenen Abgasmessungen bei Fiat Ducato Wohnmobilen in Kenntnis gesetzt hat. Im Rahmen dieser eigenen Abgasmessungen hatte die DUH festgestellt, dass die getesteten Fahrzeuge mit Euro 5 und Euro 6 Norm im Fahrbetrieb auf der Straße die gesetzlichen Abgaswerte um teilweise mehr als das Zwanzigfache überschreiten und dass insbesondere viel zu viele Stickoxide in die Umwelt emittiert werden. Einhergegangen mit dieser Benachrichtigung war die Aufforderung,

"die Hersteller in die Pflicht zu nehmen, Sanktionen und geeignete Maßnahmen zu erlassen sowie die Typenzulassung der untersuchten Fahrzeugmodelle zu überprüfen."

Kraftfahrt-Bundesamt äußert sich erstmals - und sorgt für Paukenschlag

Das KBA hat auf diese Schreiben der DUH reagiert - und damit für weiteren Sprengstoff im Fiat Ducato Abgasskandal gesorgt. So heißt es in dem Schreiben wörtlich:

„Zu den Erkenntnissen bei den Wohnmobilen kann ich Ihnen vorab mitteilen, dass auch in eigenen Untersuchungen durch das Kraftfahrt-Bundesamt bei einigen Wohnmobilen hohe Stickoxidemissionen aufgrund von Unzulässigkeiten festgestellt wurden.“

Was hier in verklausulierter Sprache steht, bedeutet nichts anderes, als dass das KBA nicht nur über die massiv erhöhten Abgaswerte informiert ist, sondern auch, dass es illegale Manipulationen ("Unzulässigkeiten") als deren Ursache sieht. Darüber hinaus hat ein weiterer Satz im Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamts aufhorchen lassen. Er lautet:

„Da bisher […] keine Maßnahmen eingeleitet wurden, werden unsererseits bereits Schritte geprüft, damit die Unzulässigkeiten in den betroffenen Fahrzeugen entfernt werden“.

Wenn das KBA also von der Entfernung dieser „Unzulässigkeiten“ spricht, dann meint es damit nichts anderes, als dass es Rückrufe und Nachrüstungen für die betroffenen Fahrzeuge plant, in dessen Rahmen die illegalen Abschalteinrichtungen entfernt werden sollen.

Hintergrund zu Rückrufen - negative Folgen fürs Wohnmobil?

Wenn ein Fahrzeug nicht den gesetzlichen Abgasgrenzwerten entspricht, dann darf es auch nicht auf die Straße. Aus diesem Grund müssen Fahrzeuge, welche illegale Abschalteinrichtungen enthalten, wieder gesetzeskonform gemacht werden. Dies erfolgt im Rahmen der Rückrufe, bei welchen die illegalen Abschalteinrichtungen entfernt werden. Im Rahmen vergangener Abgasskandale - wie z.B. bei Volkswagen oder Daimler - wurde im Rahmen der Rückrufe lediglich die Motorsteuerungssoftware, welche für die Manipulationen verantwortlich war, entfernt. Dies hat in zahlreichen Fällen zu teilweise schwerwiegenden Konsequenzen für das Fahrzeug geführt. Kunden und Sachverständige berichteten in diesem Zusammenhang von erhöhtem Kraftstoffverbrauch, geringerer Leistung, verstopftem Dieselpartikelfilter, klopfenden Motorgeräuschen, verkürzter Lebensdauer und Motorschäden. Diese negativen Folgen verwundern tatsächlich nicht: denn wenn ein bloßes Software-Update ausreichen würde, um den Schadstoffausstoß bei gleicher Leistung gesetzeskonform zu halten, wären die Manipulationen überhaupt nicht notwendig gewesen.

Es ist daher zu befürchten, dass bei einem bloßen Software-Update auch ähnliche Folgen bei Fiat Ducatos eintreten werden. Die einzelnen Bauteile, welche für die Abgasreinigung verantwortlich sind, sind schlicht nicht für einen dauerhaften Betrieb ausgelegt - und daher werden sie schneller verschleißen. Ob im Wohnmobil Dieselskandal auch ein Hardware-Update, also die Aufrüstung auf SCR Katalysator mit AdBlue Tank, eine realistische Option ist, ist derzeit nicht absehbar. Vor dem Hintergrund der Erfahrung mit Volkswagen und Daimler ist davon auszugehen, dass auch Fiat keine Haftung für die Folgen des Updates übernimmt.

Wann und in welchem Umfang werden die Rückrufe erfolgen?

Derzeit (Stand: Mai 2022) ist allerdings immer noch nicht klar, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang die Rückrufe im Fiat Ducato Abgasskandal erfolgen werden. Hierauf haben Verbraucher und Rechtsanwälte auch keinen Einfluss, diese Entscheidung obliegt allein den Behörden. Seriöse Aussagen hierzu sind daher nicht möglich. Im Jahr 2021 hat das KBA bereits andere Fiat und Iveco Fahrzeuge wegen erhöhter Abgaswerte zurückgerufen (siehe Link).

Drohen Stilllegungen und Fahrverbote?

Auf zahlreichen Seiten im Internet ist zu lesen, dass den betroffenen Wohnmobilen Stilllegungen und Fahrverbote drohen. Es gibt hier aber keinen Grund zur Panik: Stilllegungen werden nicht unerwartet und plötzlich angeordnet. Die Stilllegung eines Fahrzeugs ist nur die ultima ratio, wenn sich der Besitzer eines Wohnmobils - trotz mehrmaliger schriftlicher Aufforderung durch die zuständige Behörde - weigert die Nachrüstung durchzuführen. Man erhält also mehrere Stilllegungs-Androhungen und das Verfahren kann sich über mehrere Wochen und Monate ziehen.

Das Thema Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge ist dagegen völlig unabhängig von den illegalen Abgasmanipulationen. Mehrere Städte haben solche Fahrverbote bereits verhängt, wie beispielsweise Hamburg und Stuttgart, und es ist davon auszugehen, dass weitere Städte folgen werden.

Was das Schreiben für betroffene Verbraucher bedeutet

Für Eigentümer von Fiat Ducato Wohnmobilen bedeutet dieses Schreiben des KBA zunächst einmal zweierlei: erstens können sie jetzt gewiss sein, dass Rückrufe und Nachrüstungen – mit all ihren potentiellen negativen Folgen – in absehbarer Zeit auf sie zukommen werden; zweitens wissen sie spätestens jetzt, dass es eigentlich keinerlei Zweifel mehr an der Illegalität der Abgasmanipulationen bei Fiat gibt - und sich die Aussichten für erfolgreiche Schadensersatzklagen weiter verbessert haben.

Rechtsanwalt Jannis Staudt hat viele Jahre Erfahrung im Abgasskandal und rät Verbrauchern dazu, sich zu den Möglichkeiten beraten zu lassen. „Dieses Statement des Kraftfahrt-Bundesamts ist natürlicher starker Tobak, denn wenn schon eine deutsche Behörde vom Vorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen spricht, wird Fiat die größte Mühe haben das Gegenteil zu beweisen. Verbraucher sollten definitiv mit einem Experten sprechen und sich kostenlos und unverbindlich zu ihrer Betroffenheit und ihren Möglichkeiten beraten lassen", so der erfahrene Jurist.

ts

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